Wann und warum bist du in die Schweiz gekommen?

Ich lebe seit drei Jahren in der Schweiz. Vorher habe ich die Ausbildung in Deutschland abgeschlossen und dort ein Jahr als Physiotherapeut gearbeitet. Doch die Bezahlung war schlecht und ich hatte Lust, mal wegzukommen aus meiner Heimat Frankfurt. Da war die Schweiz besonders attraktiv.

Welche Unterschiede fallen dir in der Physiotherapie besonders auf?

In Deutschland ist die Ärztelobby sehr stark. Sie versucht, die Physiotherapie klein zu halten. Zwar gibt es Verbände, aber bis in die Politik dringt die Stimme der Physiotherapie einfach nicht vor. In der Schweiz arbeiten Ärzte mit Physiotherapeuten zusammen und sind froh über eine fachliche Rückmeldung von uns. Was beide Länder gemein haben, ist der Fachkräftemangel in der Physiotherapie.

Woran liegt das in Deutschland?

Die Ausbildung war bis vor Kurzem noch sehr teuer. Ich musste Schulgeldbezahlen – das kann je nach Fakultät bis zu 500 Euro im Monat sein. Glücklicherweise wurde das nun abgeschafft. An staatlichen Schulen bekommt man nun sogar ein Ausbildungsgehalt. Nun gibt es zwar genug Bewerber aber zu wenig Ausbildungsplätze. Dieses Problem kennt man auch in der Schweiz.

Du lobst das Ansehen der Physiotherapie in der Schweiz. Doch gibt es hier auch negative Aspekte am Job des Physiotherapeuten?

Ich musste in der Schweiz ein Annerkennungsverfahren durchlaufen, weil ich in Deutschland nur eine dreijährige Ausbildung absolviert habe. In meinen Augen ist das vor allem Geldmacherei.
Ausserdem arbeitet man in der Schweiz etwas mehr als in Deutschland – hier liegt das Wochenpensum bei rund 42 Stunden, in Deutschland sind es 38. Trotzdem bereue ich es überhaupt nicht, in die Schweiz gekommen zu sein – auch wenn ich sie aus privaten Gründen nun wieder verlasse.

Weshalb würdest du es wieder tun?

Neben dem guten Gehalt ist sicher das evidenzbezogene Vorgehen der Schweizer Physiotherapie der wichtigste Grund. Meine Zeit im Physiozentrum war sehr lehrreich. Gerade was das Schreiben von Befunden und das Clinical Reasoning betrifft. Manchmal war es hart, weil wir auf die Minute genau durchgetaktet sind, aber insgesamt habe ich mich immer wohlgefühlt.

Du kannst dir vorstellen, in die Schweiz zu ziehen? Gute Leute sind immer gefragt. Bewirb dich!