Dein letztes Feedbackgespräch liegt Monate zurück? Damit bist du nicht allein. In vielen Firmen finden einmal jährlich Evaluationsgespräche statt. Dass das nicht genug ist, liegt auf der Hand. Doch weshalb fällt es vielen Vorgesetzten so schwer, regelmässig Feedback zu geben?

Der Mensch überbringt ungern schlechte Nachrichten. Wir meiden Konflikte, lieben die Harmonie. In den Köpfen vieler ist ein negatives Feedback mit einem potenziellen Konflikt verknüpft. Selbstverständlich kann geäusserte Kritik Frust auslösen, doch hat der Feedbackgebende einen grossen Einfluss auf einen positiven Gesprächsverlauf.

Eine konstruktive Rückmeldung ist ein wertvolles Instrument, um Mitarbeitende fachlich und persönlich weiterzubringen. Je natürlicher und regelmässiger das Feedback in ein Unternehmen integriert wird, desto fliessender sind auch andere interne Kommunikationsprozesse. Was es dafür braucht:

Feedback-Gebot 1: Konstanz

Teams, in denen ein regelmässiger Austausch stattfindet, arbeiten besser zusammen. Kritik wird leichter aufgenommen, weil sie nicht so schwer wiegt wie bei einem Jahresgespräch. Sie ist hier – positiv wie negativ – Teil des Alltags und wird natürlich in Prozesse integriert. Wer sich an ein regelmässiges Feedback gewöhnt hat, hat weniger Angst vor Konfrontation. Damit ist Konstanz nicht nur wichtig für effiziente, gute Arbeit, sondern dient auch der Persönlichkeitsentwicklung der Mitarbeitenden. Denn Feedback annehmen will ebenso gelernt sein wie Feedback geben.

Feedback-Gebot 2: Aktualität

Niemand möchte einen Berg von Kritik vor die Füsse geworfen bekommen. Feedback sollte zeitnah gegeben werden. So hat es einen direkten Bezug zum Ereignis und lässt sich leichter aufnehmen und umsetzen.

Feedback-Gebot 3: Toleranz

Die Erwartungen sind hoch, der Druck ebenso. Die Fehlerquote soll möglichst tief liegen. Verständlich, dass Vorgesetzte Fehltritte von Mitarbeitenden konsequent vermeiden wollen. Doch Fehler sind wichtig. Sie sind gute Lehrer. Werden sie verurteilt, kann eine Angstkultur entstehen, in der fruchtbare Ideen nur zögerlich ausgesprochen werden. Schliesslich muss mit Konsequenzen gerechnet werden, wenn etwas schiefläuft. Zu einer guten Feedbackkultur gehören deshalb auch Toleranz und ein gewisser Spielraum für Mitarbeitende, um mutig und kreativ zu sein.

Feedback-Gebot 4: Ausgewogenheit

Wer nur Negatives auf den Tisch bringt, frustriert sein Gegenüber. Besser ist ein Einstieg mit einer positiven Rückmeldung. Ein ausgewogenes Feedback motiviert, weil es Wertschätzung vermittelt für das, was bisher gut gelaufen ist. Und Motivation ist wichtig. Nur so haben Mitarbeitende einen persönlichen Ansporn sich zu verbessern. Deshalb geht es bei positivem Feedback auch nicht bloss darum, Mitarbeitende zu loben und ihnen den Rücken zu tätscheln. Vielmehr soll im Feedback enthalten sein, wie sie sich mit ihrem bereits vorhandenen Potenzial steigern und weiterentwickeln können.

Feedback-Gebot 5: Ausdruck

Selbstverständlich sind Anschuldigungen, Vorwürfe oder Aussagen, die den Mitarbeitenden blossstellen, keine Basis für ein konstruktives und produktives Gespräch. Vorgesetzte sollten anklagende Negativbotschaften vermeiden und aus der Ich-Perspektive heraus sprechen. Ideen für Verbesserungen sind ebenfalls erfolgversprechender als reine Kritik. Feedback eröffnet im besten Fall eine neue Perspektive und ermöglicht Raum für Entwicklung. Ist es wohlwollend und bestärkend formuliert, entsteht ein Gemeinschaftsgefühl – und damit auch Loyalität auf beiden Seiten.